stpetersburg212. Schüleraustausch in St. Petersburg im September 2013

(Bild: Marbacher Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren russischen  Austauschpartnern in St. Petersburg)

Das Gipfeltreffen der wichtigsten Staats- und Regierungschefs (G20) Anfang September ist Geschichte! Gegenwart ist jedoch der 12. Schüleraustausch der Anne-Frank-Realschule Marbach mit der Friedrich-Schiller-Schule in St. Petersburg. Klar, dass auch wir uns wie die Staatsmänner zum Gruppenfoto aufstellten - nur eben vor dem Konstantinowski-Palais statt drinnen.

Bereits im Mai fand der erste Teil der Begegnung in Marbach statt. Hier in Deutschland konnten wir den vielen Verbindungen zwischen den Herrscherhäusern Württembergs und Russlands nachspüren und auch ganz konkret in Baden-Baden die Spuren von Fjodor Dostojewski, Nikolai Gogol oder Iwan Turgenjew verfolgen. Der Spaziergang über die Passerelle zwischen Kehl und Straßburg machte deutlich, wie problemlos wir heute innerhalb der Europäischen Union Staatsgrenzen überschreiten können!

Ende September erfolgte nun der Gegenbesuch. Nach guten 2 Flugstunden landeten die 12 Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Realschule Marbach mit ihren Lehrern Lara Schweizer und Thomas Stietzel in St. Petersburg, um ihre Partner wieder zu treffen und gemeinsame 8 Tage in Russland zu erleben. Dabei erfolgt die Unterbringung hier wie dort in Gastfamilien, damit die russischen Kinder möglichst viel Gelegenheit erhalten, ihre deutschen Sprachkenntnisse zu erweitern. Gleichzeitig kann  man so auch die unterschiedliche Lebensweise am besten kennen lernen.

Ein Besuch in St. Petersburg kann selbstverständlich nicht stattfinden ohne eine Stadtführung und den Besuch in der weltberühmten Eremitage. Wollte man alle ihre Kunstschätze auch nur für eine Minute betrachten, müsste man sich fast 6 Jahr Zeit nehmen! Kein Wunder bei nahezu 3 Millionen Exponaten. Auch dabei haben wir, wie im Ludwigsburger Schloss, wieder Portraits gesehen, die uns die deutsch-russischen Verbindungen der vergangenen Jahrhunderte deutlich gemacht haben. Denken wir nur an die russische Zarin Katharina II. (die Große), die als Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst in Deutschland aufgewachsen ist oder an die (württembergische) Königin Katharina, die als Zarentochter in Russland geboren wurde und 1816 in St. Petersburg den württembergischen König Wilhelm heiratete!

Aber auch die dunklen Seiten der deutsch-russischen Geschichte sind nicht ausgeklammert beim Schüleraustausch, der schon vor 22 Jahren begann im Zusammenhang mit der Pflege russischer Gräber im Wald bei Pleidelsheim. Im schulischen Museum "Weg des Lebens" wird eindrucksvoll dargestellt, wie schwierig die Lebensbedingungen speziell in St. Petersburg während des Zweiten Weltkriegs waren. Die Stadt selbst wurde zwar nie von deutschen Truppen eingenommen, sie wurde aber fast 900 Tage lang belagert und von allen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnitten. So bot die dicke Eisschicht des zugefrorenen Ladogasees während der kalten russischen Winter buchstäblich einen Weg des Lebens, auf dem dringend benötigte Lebensmittel transportiert werden konnten. Trotzdem mussten etwa 1,5 Millionen Menschen diese Belagerung und Bombardierung der Stadt mit ihrem Leben bezahlen. Eindrucksvoll war auch der Besuch am Mahnmal für die Verteidiger Leningrads, das uns mit vielen Exponaten in diese 900 ganz besonderen Kriegstage führte.

Einen weiteren Höhepunkt unseres Besuchsprogramms bildete der Kunst-Workshop, den die bekannten Künstler Alla Dzhigirei und Boris Zabirochin für uns in der Friedrich-Schiller-Schule St. Petersburg abhielten. Beide Künstler sind weithin bekannt und ihre Werke hängen weltweit in vielen großen Museen! Gemeinsam mit ihren Partnern durften die Marbacher Schüler unter besonderer künstlerischer Anleitung ein Bild über das Leben in der Stadt gestalten. Danke, dass die beiden extra für uns einen Nachmittag lang Kunstunterricht gegeben haben.

Projektsteckbrief bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch