Rhetorikseminar 2010

Marbach: Janet Peschanel ist zur besten Rednerin der Neuntklässler an der Anne Frank-Realschule gekürt worden. Von Astrid Killinger Reden nach Regeln ist Silber, Reden mit Natürlichkeit und aus Überzeugung ist Gold - das hat der Rhetorikwettbewerb der Anne Frank-Realschule am Montagabend gezeigt.

Neun Schüler hatte Trainerin Dorle Henrich dafür aus ihren beiden Kursen mit insgesamt 23 Neuntklässlern ausgewählt. Larissa Wildermuth stellte den Beruf der Bürokauffrau vor. Manuel Schwichtenberg beendete seine Inter-pretation des Filmes „Avatar" mit der Empfehlung, ihn selbst anzuschauen. Philip Pohl erklärte, was ein Cajon ist. Kurz und bündig waren die Reden von Nikos Antoniadis und Tobias Teufel zu den Themen Aids und Treibhauseffekt, die sie mit Appellen zum verantwortungsvollen Verhalten verbanden. Gut recherchiert hatte Benjamin Priego Walter das Problem der Steuerhinterziehung, so dass er sich sogar ein mutiges eigenes Urteil bilden konnte: Er bezeichnete den Kauf von CDs mit gestohlenen Bankdaten als modernen Bankraub. Formal und inhaltlich stets überzeugend, war jedoch die begleitende Gestik dieser sechs Reden nicht immer geglückt. Öfter wirkte sie zu sehr einstudiert.

Anders war dies bei den drei Preisträgern. Aus Tobias Calcara, der Drittbester wurde, sprach offenbar eine auf fundierten Fakten beruhende innere Überzeugung, als er die Erderwärmung erläuterte. Dass er dabei ganz ruhig blieb und den Blick fest im Publikum ruhen lassen konnte, verschaffte Akzeptanz und eine angenehme Atmosphäre. Jens Weidlich, Zweitplatzierter, schien sich um Äußerlichkeiten erst gar nicht groß zu kümmern. Mit motiviertem Eifer zerpflückte er die Argumente der Atomausstiegs-Gegner. Die Natürlichkeit seiner Rede, die bei allem Engagement nie unsachlich, polemisch oder manipulierend wurde, machte auch das Zuhören zu einer natürlichen, leichten Übung.

Ähnlich unbefangen wirkte, trotz Aufregung, Janet Peschanel. In munterem Tonfall versuchte sie, das Publikum von den Vorzügen des Ganzkörperscanners zu überzeugen. Zu ihren eigenen Vorzügen, die ihr auf den ersten Platz verhalfen, gehören noch eine klare und sicher betonte Aussprache.

Zur Jury, die sich direkt im Anschluss an die Reden beriet, gehörten die Trainerin, die Schulrektorin und ihr Stellvertreter, zwei Elternvertreter und drei Mitglieder des Rotary-Clubs. Nur kurz dauert das freiwillige Rhetorikseminar, das die Marbacher Realschule seit etlichen Jahren mit Hilfe des Rotary-Clubs Backnang-Marbach anbietet. Einem Theorienachmittag folgen Videoaufnahmen eines jeden Teilnehmers, die von allen bewertet werden. Bei einem dritten Termin treffen sich die von Trainerin Dorle Henrich für den Abschlusswettbewerb bestimmten Schüler. Die Kurse seien beliebt und immer rasch ausgebucht, sagte Konrektor Thomas Stietzel. Rotary-Club-Mitglied Matthias Holzammer, der die Urkunden verlieh, ermunterte alle Kursteilnehmer, in ihren Bemühungen weiterzufahren und sich in der Schule, aber auch in Vereinen und im Privaten zu üben.

Wir danken der Stuttgarter Zeitung, die uns gestattet hat, diesen Artikel vom 10.3.2010 hier zu veröffentlichen.