November 2015: Die Jugendlichen haben sich im Vorfeld mit dem Russischen Friedhof und den dort Bestatteten auseinander gesetzt

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Ein Artikel der Marbacher Zeitung.

Von Frank Wittmer. Foto: Frank Wittmer. Pleidelsheim - Das alljährliche Gedenken zum Volkstrauertag ist durch die furchtbaren Anschläge in Paris aktueller denn je. So auch am Sonntag in Pleidelsheim, wo 16 russische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beerdigt sind.

 

Seit 1984 kümmert sich die Anne-Frank-Realschule in Marbach um die Grabanlage. Eine AG aus Jugendlichen der 7. bis 9. Klassen hat vor drei Jahren die Pflege-Patenschaft für den Friedhof übernommen.

Bei der tatsächlichen Pflege hilft der Pleidelsheimer Bauhof kräftig mit, so auch jetzt, als der kleine Friedhof vor der Gedenkveranstaltung vom Laub befreit werden musste.

Aber auch die Schüler zupfen Unkraut und pflegen die Gräber. „Die tatsächliche Beschäftigung ist aber mehr inhaltlicher Art“, erklärte Lehrerin Beatrix Mayer, die mit der Religionspädagogin Edeltraud Liegl die AG leitet. Das Zusammentreffen mit jungen Menschen von der Schiller-Schule in St. Petersburg, wie wieder im September, hält den Gedanken der Freundschaft am Leben. Männer wie Frauen sind auf dem Friedhof beerdigt.

Die Jüngste wurde gerade einmal 25 Jahre alt. Die Älteste war mit 68 Jahren vermutlich bereits Mutter und Großmutter. Aus dem Stegreif wissen die meisten wohl nur von den Menschen, so wie von den Opfern in Paris, bis man sich dann aber eingehender mit den Schicksalen beschäftigt, wie es die Schüler der Anne-Frank-Realschule schon getan haben.

„Sie wollten keine Helden sein“, sagen die Schüler über die Menschen in den 16 Gräbern. „Ihr Platz bei ihrer Familie blieb immer leer.“ Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte blieben für diese Menschen unerfüllt. Sie hat zu Lebzeiten, wie auch im Tode, verbunden, dass der „einzig verbliebenen Wunsch, dem menschlichen Kriegsirrsinn unversehrt zu entkommen und heil nach Hause zur Familie zurückzukehren“, unerfüllt blieb.

„Wir tragen unseren Namen sehr bewusst. Die Erinnerung an Anne Frank ist eine große Verpflichtung, immer wieder zu zeigen, dass wir es ernst meinen mit Werten wie Friede und Freiheit“, betonte Rektorin Monika Mayer-Schumacher in ihrer Ansprache auf dem Friedhof.

In den Farben des Regenbogens hatten die Teilnehmer der AG das Wort „Frieden“ in sieben Buchstaben erklärt.

F steht für Freiheit, R für Respekt, I für Interesse am Anderen, E für Engagement, D für Dankbarkeit, E für Entgegenkommen und N für Nächstenliebe.

Das „unendliche Leid“ ist aber nicht in eine ferne Vergangenheit entrückt. Auch heute geschieht weltweit Schreckliches: „An vielen Orten der Welt verkünden noch immer herrschende Kriegstreiber ihren eigens ersonnenen, menschenverachtenden Hass.“ Die Holzkreuze mahnen eindringlich: „Vergesst uns nicht!“

Aus der Erinnerung entsteht die Pflicht, sich für den Frieden einzusetzen. „Viele Menschen kommen zurzeit nach Europa und zu uns nach Deutschland“, setzen die Schüler die an Josef Albert Stöckl angelehnten Gedanken fort.

„Sie kommen, weil ihnen in ihrer Heimat die wichtige Grundlage des friedlichen Zusammenlebens zerstört wurde.“ Bürgermeister Ralf Trettner dankte den Jugendlichen für die aktive Gestaltung der Gedenkstunde auf dem Russischen Friedhof.

„Wir nehmen davon ein bisschen mit in den Alltag.“ Werte wie Achtsamkeit, Respekt und Toleranz sind auch im friedlichen Miteinander in der Schule wichtig, stellten die Schüler zum Abschluss fest.