Ausgesprochen eindrücklich berichtet Frau Dr. Yvonne Koch, Überlebende des KZ Bergen-Belsen, Schülern der neunten Klassen.

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Juni 2016. Von Oliver Schreek. Sie kam auf Einladung des Fördervereins der Anne-Frank-Realschule und der Schulleitung. Als 10-jähriges Kind wurde sie in das KZ Bergen-Belsen nahe Celle deportiert. Die Jugendlichen lauschten Yvonne Koch gebannt.

"Ich kam ohne meine Eltern dort hin, schon der Transport im Viehwaggon war grausam" berichtet sie. Ihre Eltern sah sie erst nach ihrer einjährigen Zeit im KZ und einem Allierten-Lazarett wieder.

 

"Ich war ganz auf mich alleine gestellt" erzählt sie "und habe nur gebetet: Lieber Gott stehe mir bei". Gesprochen habe sie mit ihren Eltern später nie über ihre Erlebnisse. "Damals hieß es: Verdrängen, nicht verarbeiten" sagt sie.

Eine Solidarität unter den Gefangenen habe es kaum gegeben, es sei unter diesen Umständen jedem nur ums Überleben gegangen. Sogar Kindern sei Brot gestohlen worden. Nur einmal habe eine Mitgefangene ihr ein paar Handschuhe geschenkt, gestrickt aus einer aufgedröselten Pferdedecke. Diese Handschuhe werden heute in Bergen-Belsen ausgestellt.

Die unvorstellbaren Erinnerungen, beispielsweise an Berge von Leichen im Lager, unter denen sie auch ihre Mutter suchte, sind für Fau Dr. Koch nicht mehr auslöschbar. "Mein Leben habe ich hinterher durch den Sport in den Griff bekommen. Nach dem Krieg habe ich mit dem Schwimmen angefangen, und habe später sogar den tschechoslowakischen Rekord in dieser Disziplin erreicht."

Auf Nachfrage der Schüler berichtet sie, Anne Frank nicht im Lager kennen gelernt zu haben. Diese war in der gleichen Zeit dort interniert. Anne Frank und deren Schwester Margot überlebten das KZ nicht.

Ihr Fazit für die Schüler: "Nun ist eure Generation dran. Setzt jeden Tag ein kleines Steinchen, damit so etwas nie wieder geschieht. Auch eine schlechte Demokratie ist besser als eine Diktatur."

Ergriffen applaudieren die Schüler, und bleiben noch einige Minuten still sitzen.